Gründungsgeschichte

Die Vorgeschichte

Ansicht der Stadt Tettnang 1694

Schon die Grafen von Montfort hatten eine besondere Vorliebe für Feste. So hören wir von Graf Ulrich, der 1574 starb, dass sich unter seinem Nachlass "ein groß Gestaffel voll Maschgera (Maskenkleider)" befand, und in einer heute leider nicht mehr vorhandenen Chronik von Pater Kröhl um 1700 wird von einer Montfortgräfin berichtet, die sich bei einem Maskenball sechsmal umgezogen habe.

Mehr über die Fasnet erfahren wir dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Es entstanden wie überall auch in Tettnang neue Formen der Geselligkeit: Viele Vereine wurden gegründet. 1836 wurden die ersten Maskenbälle abgehalten. Mit dem Erscheinen der ersten Zeitung im Juli 1848, dem "Oberschwäbischen Anzeiger", wird auch die Tettnanger Fasnachtsgeschichte voll dokumentiert. In den ersten 20 Jahren gab es zwar keine lokalen Nachrichten, aber durch Inserate über Fasnachtsbälle sind wir über das Treiben in der Stadt informiert.
Im Jahre 1889 beschloss man, eine Fasnachtsvereinigung zu gründen. Gründungsversammlung war der 12. 2. 1889 im Gasthaus zum Kreuz. Einstimmig wurde der Name "Narrhalla" angenommen. Erster Präsident war der Posthalter Beck. Im Jahr 1899 veranstaltete die Narrhalla am Fasnachtssonntag einen improvisierten Maskenzug durch die Stadt, und zum ersten Mal wird die Parole "Montfort Jehu" erwähnt.
Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges endete auch das Fasnachtstreiben in unserer Stadt. Erst 1924 regt sich in Tettnang wieder das Fasnachtsfieber: Spontaneität und Improvisation kennzeichnen die Veranstaltungen jener Jahre. Da öffentliche Aktivitäten verboten waren, hatten interne Bälle Hochkonjunktur. Auch Hausbälle belebten das Tettnanger Fasnachtsgeschehen.

Als 1935 das Verbot zur Durchführung öffentlicher Fasnachtsveranstaltungen endgültig aufgehoben war, beriefen der Hotelier Eberhardt, Fabrikant Reiss, Buchdrucker Dietrich und Studienrat Wetzel die Sitzung eines sog. "Elferrates" ein. Die Fasnacht 1935 wurde zu einer Woche der Sensationen. Das Motto lautete: "lnternationaler Weltverkehr Montfort 1975". Propagandafahrten, vier Tage lang Zirkus "Keesolini" mit seinen Attraktionen, "Mondexpress", Vergnügungsfahrten des Schiffes "Zibebe", Altweibermühle, ein Festumzug, an dem sich die ganze Stadt mit selbstentworfenen Festwagen beteiligte.
1938 sprang zum ersten Mal der Hopfennarr aus dem Tettnanger Rathaus. Träger dieses Kostüms war für lange Jahre Karl Rist. Dr. Alex Frick präsentierte dazu das heute noch beliebte Tettnanger Narrenlied: "Hopfennarr komm heraus...".

 

Fasnacht 1939 - 50 Jahre Narrhalla - es war das größte Fest, das Tettnangs Narren je erlebt hatten. Wusste man ahnungsvoll um die Schrecklichkeit der kommenden Jahre? Man feierte um so toller, als man wohl spürte, dass es für viele das letzte Mal sein würde.


Der neue Anfang
Tettnang nach Naziterror, Krieg und Befreiung: Und doch fand 1946 bereits wieder der erste Kinderumzug statt, was vor allem auf die Initiative der Narrenmutter Layer zurückging. 1948 fand der erste offizielle Narrhallaball nach dem Krieg wieder statt, der einen solchen Ansturm erlebte, dass er sogar wiederholt werden musste. Eine Narrenfahne wurde enthüllt.

1952 fasste man dann den langerwarteten Beschluss, die Narrhalla in einen Verein überzuführen. Die Gründung des "Narrenverein Narrhalla e.V." erfolgte - Hugo Eberhardt wurde Präsident.
Noch im alten Jahr hatten H. Schlegel und W. Locher den Vorschlag gemacht, eine Hopfennarrengruppe zu bilden. In wenigen Monaten entstand unter sachkundiger Anleitung und nicht zuletzt auf Anregung des Malers August Lippus der neue, bemalte Hopfennarr, wie wir ihn seither kennen. 1953 sprangen neben den Gickelern und dem Urhopfennarr, die neue Hopfennarrengruppe (Kartonmasken) sowie drei Gätterlet (auf Anregung von Dr. Alex Frick) aus dem Rathaus.
Die Fasnachtsspiele am Bärenplatz wurden ein großer Erfolg. Der Narrhallaball, in früheren Zeiten immer am Fasnachtssamstag abgehalten, wurde, mit Rücksicht auf die vielen anderen Bälle an diesem Tag, auf den Fasnetsmontag gelegt, an dem er auch heute noch stattfindet.


Unter der Leitung des Oberhopfennarren Hans Schlegel ging der Aufbau der Hopfennarrengruppe weiter voran. Jeder Hopfennarr trug nun eine Original-Maske, geschaffen vom Biberacher Holzschnitzer Hasenmaile, und zum ersten Mal in der Geschichte der Tettnanger Fasnacht nahmen die Masken bei einem Treffen in Markdorf teil. Zudem erfuhr die Maskengruppe eine Bereicherung: Walter Senn, der ehemalige Prinz, hatte eine "Hopfensau" angeschafft.
Nach dem Verzicht von Hugo Eberhardt auf das Präsidentenamt, das er seit 1952 innehatte, wurde Fritz Layer einstimmig zum Nachfolger gewählt. Mit Franz Tauscher als Franz I. oder Prinz "Coronator" sah Tettnang 1955 den letzten Prinzen in seiner Fasnachtsgeschichte.

Der Ausbau der Maskengruppen ging zügig voran. Die Stadtkapelle, die bei den Umzügen immer mitmarschierte, bekam im selben Jahr Umhänge, die den Hopfennarren nachgebildet waren. Man besuchte das große Ringtreffen in Saulgau, und die Frage einer Neuorientierung der Fasnacht wurde offen diskutiert. So wurde in der folgenden Jahressitzung der Narrenverein Narrhalla durch die Narrenzunft Narrhalla e.V. abgelöst. Offiziell wurde das Amt des Prinzen abgeschafft und durch den Zunftmeister ersetzt.
1956 führt die Chronik als Großereignis den Besuch beim Schwäbisch-Alemannischen Narrentreffen in Riedlingen an. In diesem Jahr wurden, vom Künstler Haller für die Zunfträte eigens entworfene Zunftmäntel aus weißem bemaltem Seidensamt, dazu ein Tschako als Kopfbedeckung angeschafft. Wiederum wurden auswärtige Zünfte besucht, die im Gegenzug am Fasnachtsdienstag dann den Tettnanger Umzug bereicherten. Im folgenden Jahr gab es bereits so viele Masken, dass man an einem Tage sogar zwei auswärtige Zünfte besuchte.

Die Narrenzunft Tettnang
Mit dem Narrenjahr 1959 - 60 Jahre nach Gründung - änderte sich Entscheidendes: Die Narrenzunft Narrhalla wurde in Narrenzunft Tettnang umbenannt. Sie machte es sich nun auch satzungsgemäß bis zum heutigen Tage zur Aufgabe, die Original-Narrengruppen zu fördern. Eine weitere Maske wurde vorgestellt, die "Rote Spinne", die vom Bärenwirt Karl Forster angeschafft wurde.

Präsident Ströhle teilt per Telegramm die Aufnahme der Narrenzunft Tettnang in die VSAN mit
Von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der Masken - der Tettnanger Umzug am Fasnachtsdienstag entwickelte sich allmählich zum Großereignis in Oberschwaben. 1961 wurden bei gutem Wetter 25.000 Besucher gezählt - es war der größte Ansturm, den Tettnang seit der Heimatwoche erlebt hatte. Nach gründlichen Recherchen über die Historie der Fasnacht in Tettnang durch Stadtarchivar Dr. Frick, stellte man 1962 den, vom Verwaltungsfachmann Erwin Schorpp mit aller Sorgfalt bearbeiteten Antrag auf Aufnahme in die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, der am 28.1.1962 angenommen wurde.